Skip to content

17. Januar 2012

6

Kentsch legt vor, Dammeier kontert

Gestern morgen überrascht das Westfalenblatt mit einem Interview mit Roland Kentsch. Obwohl es mich nicht überrascht, dass sich der von vielen geschmähte und von vielen als Alibi genutzte Ex-Finanzgeschäftsführer öffentlich äußert. An der Zeit ist es auf jeden Fall. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten: Detlev Dammeier, Andreas Mamerow, Kentschs Nachfolger und Wilfried Lütkemeier kontern. Ob es mehr Licht ins Dunkle bringt, bleibt abzuwarten.

Persönlich kann ich es nachvollziehen, dass Roland Kentsch aufklären will. Die Art und Weise, wie nicht nur mit ihm in der Öffentlichkeit umgegangen wird, ist zumindest stilistisch nicht korrekt. Selbst Vorstände, Wirtschaftsräte und Aufsichtsräte neigen mitunter dazu, ihre Vorgänger dadurch in den Schatten zu stellen, dass sie sich den ehemaligen Gremienvertretern einfach ins Licht stellen, statt selbst zu strahlen. Bei Roland Kentsch ist das anders. Er gilt gemeinhin als der Verursacher der größten Krise unseres Vereins.

Die Vorlage

Mit mir wäre das nicht passiert.

Roland Kentsch

Eine interessante These. Und man mag vortrefflich diskutieren, ob er damit langfristig recht hat. Aber er kritisiert zur Recht den Beginn der Saison 2009/2010. Hier wurde Detlev Dammeier tatsächlich mit der Zusammenstellung des Kaders alleine gelassen. Eine kaufmännische Kontrolle fand nach Einschätzung von Kentsch nicht statt. Wenn das auch nur annähernd korrekt ist, liegt hier in der Tat ein Kardinalfehler. Mit allen Mitteln wurde versucht, Arminia binnen einen Jahres wieder in die Bundesliga zu führen. Die Folgen sind uns alle bekannt. Ein völlig überforderter Heinz Anders muss Anfang 2010 eine Lücke nach der anderen bekanntgeben und die DFL bestraft den DSC mit Punktabzug. Das zumindest hätte man verhindern können. Der richtige Weg wäre schon damals der von Detlef Echternkamp, Ralf Schnitzmeier und anderen entwickelte “Bielefelder Weg” gewesen. Aus heutiger Sicht ist das allerdings einfach gesagt. Anfang April 2011 habe ich ein Statement geschrieben, das, mit kleinen Abweichungen als Erklärung von Wolfgang Brinkmann, Ralf Schnitzmeier und mir an die Presse geleitet wurde (Entwurf vom 01.04.2011). Dort heißt es:

Trotz sportlichem Niedergang wollen wir allerdings nicht den Fehler machen, der in der vorletzten Saison gemacht wurde. Dieses Mal wollen wir uns erst konsolidieren und dann wieder angreifen.

Nach der nicht gerockten Rückrunde war uns schnell klar, dass wir einen weiteren finanziellen Kraftakt nicht hätten stemmen können. Den Fehler aus der Saison 2009/2010 wollten wir definitiv vermeiden. Roland Kentsch sieht jedoch in der Arbeit von Dammeier die eigentliche Ursache der Misere.

Verschuldung an sich sagt doch erstmal gar nichts aus. [...] Die spannende Frage ist doch: Kann ich die Verbindlichkeiten bedienen? Nur darum geht es.

Roland Kentsch

Auch hier muss ich Herrn Kentsch prinzipiell zustimmen. Nicht die Höhe der Verbindlichkeiten ist entscheidend, sondern die Höhe des Kapitaldienstes. Kann ich den dauerhaft bedienen, bin ich auf der sicheren Seite. Allerdings muss man immer den Worst Case betrachten. Und da habe ich zumindest das Gefühl, dass Herr Kentsch nicht geplant hatte, bis in die dritte Liga abzusteigen. Denn der Kapitaldienst in Höhe von 1,5 Millionen Euro, den er im Interview erwähnt und den der Verein leisten muss, muss durch die Stadionpacht erwirtschaftet werden. In der dritten Liga ein nahezu unmögliches Unterfangen für die KGaA, die mit einem Gesamtetat von drei oder vier Millionen Euro planen muss. Hier wäre eine längerfristige Finanzierung und vor allem ein besser ausverhandelter Zinssatz möglich gewesen. Schließlich hat es Ausfallbürgschaften gegeben, die niedrigere Zinsen möglich gemacht hätten. Immerhin war es uns im letzten Jahr möglich, die Zinsen um mehr als die Hälfte zu senken und sogar einen Tilgungsaufschub zu erreichen.

Der Konter

Ich möchte ehrlich sein. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass überhaupt jemand auf dieses Interview reagiert. Aber dem Westfalenblatt ist es gelungen, einige der ehemals Verantwortlichen zu einer Stellungnahme zu bewegen, allen voran Detlev Dammeier.

Den Schuh ziehe ich mir nicht an!

Detlev Dammeier

Das Dumme ist nur, er zieht ihn sich auch nicht aus und verweist stattdessen auf seinen ehemaligen Kollegen:

Alle Verträge der Spieler, die geblieben sind, sind doch mit Roland Kentsch zusammen gemacht worden – zu einer Zeit, in der er noch im Amt gewesen ist. [...] Zudem habe ich mit dem Verkauf der Leistungsträger Artur Wichniarek (zu Hertha BSC Berlin) und Robert Tesche (zum Hamburger SV) nicht unerhebliche Transfererlöse zum Wohl des DSC erzielt, obwohl ich speziell Tesche sehr gern behalten hätte.

Detlev Dammeier

Dann ist ja gut. Also ist es doch Herr Kentsch gewesen. Hat denn der Sport-Geschäftsführer, der sich trotz seiner Freistellung nicht “zum Wohle des DSC” mit selbigem auf eine vorzeitige Vertragsauflösung einigen konnte und bis zu seinem Ausscheiden auf der Payroll stand, in diese Verträge keine Einsicht gehabt? Spätestens nach der Freistellung von Kentsch hätte doch dann ein sofortiger Einstellungsstopp stattfinden müssen.

Andreas Mamerow, Kentschs Nachfolger als Schatzmeister und Mitglied des Aufsichtsrates springt Detlev Dammeier bei.

Die Verantwortlichen haben sich seinerzeit lediglich an den von Roland Kentsch und Henrik Wiehl im Frühjahr 2009 aufgestellten und von der Deutschen Fußball Liga genehmigten Lizenzantrag gehalten.

Andreas Mamerow

Dann frage ich mich tatsächlich, warum Kentsch überhaupt entlassen wurde, wenn alles das weitergeführt wurde, was er hinterlassen hat. Und ich frage mich, warum niemand gemerkt hat, dass mehr als 7,5 Millionen Euro gefehlt haben.

Der einzige, der – wenn auch versteckt - Selbstkritik übt ist Wilfried Lütkemeier.

Die von Kentsch genannten Zahlen liegen nicht so weit von denen entfernt, die die Staatsanwaltschaft und die wir seinerzeit ermittelt haben.

Wilfried Lütkemeier

Das klingt doch schon ein wenig anders. Und es sieht so aus, als sei nicht nur der Tribünenbau der Grund für die Krise sondern eben auch die Saison 2009/2010. Eine Aufarbeitung der Vorgänge ist geschehen, die Staatsanwaltschaft hat die Verfahren gegen Kentsch und Hans-Hermann Schwick eingestellt. Jetzt steht der Verein vor einem Trümmerhaufen und verkauft das Tafelsilber. Schuld ist niemand.

Roland Kentsch wird sicherlich noch vielen Verantwortlichen als Alibi dienen. Zum Teil zurecht, zum Teil aber auch, um von eigenen Fehlern abzulenken. Schade, dass er zu meiner Zeit nicht mehr im Amt war.

  1. Markus Landwehr
    17. Jan 2012
    17:24

    Alex, ich rate dir einfach, das Kriegsbeil zu begraben. Du wirst an der Situation nichts mehr ändern können, zumindest nicht in diesem Leben. Dein Aufklärungswille in allen Ehren, aber die liebe Seele muss auch mal Ruhe haben. Das tut Arminia übrigens gut.

    Antworten
    • 17. Jan 2012
      17:26

      Du siehst das falsch, Markus. Ich habe gar kein Kriegsbeil ausgegraben. Ich versuche nur die Dinge vielleicht etwas anders zu betrachten als andere.

      Aufgeklärt hat Kentsch doch selbst – zumindest denkt er das. Vielmehr verwundert mich die Art und Weise, wie die “Anderen” darauf reagieren. So what?

      Antworten
  2. Daniel Fest
    17. Jan 2012
    18:32

    Kannst du dein ADS nicht anders ausleben und endlich alle Publikationen über Arminia einstellen. Gott sei Dank war die Mitarbeiterversammlung so intelligent ohne Maulwurf in den Gremien arbeiten zu wollen. Mal davon abgesehen ob du Recht oder Unrecht in deinen Berichten hast – verkneif sie dir!

    Antworten
    • 17. Jan 2012
      22:12

      Niemand zwingt Dich, es zu lesen, oder?

      Antworten
  3. Realfan
    14. Mrz 2012
    21:55

    Tja Herr Geilhaupt, wo ist Ihr Buch??? Heiße Luft produzieren und Nachtretten. Können Sie mehr???

    Antworten
    • 14. Mrz 2012
      23:46

      Das Manuskript ist soweit fertig. Ich wurde jedoch vom Ehrenrat gebeten, dieses vorerst nicht zu veröffentlichen. Daher brauchen Sie noch ein wenig Geduld.
      Es wäre übrigens nett, wenn Sie eine real existierende eMailadresse angeben würden. Können Sie das?

      Antworten

Teile Deine Gedanken, verfasse einen Kommentar.

(Pflichtfeld)
(Pflichtfeld)

Hinweis: HTML ist erlaubt. Deine eMailadresse wird niemals veröffentlicht.

Kommentare als RSS abonieren